
100 Jahre Büsumer Speeldeel - 1899 bis
1999
Wie alles begann
Schon bevor es zur offiziellen Gründung des Vereins
kam, war das Theaterspielen von Laienschauspielern schon seit vielen Jahren
fest verwurzelt. Dieses geht aus dem Artikel in den "Büsumer Nachrichten"
vom 8. Dezember 1889 hervor. Schon damals feierte man große Erfolge.

(Kopie eines Zeitungsartikel v. 8.12.1889)
Und dann kam die Vereinsgründung am 14. Januar1899.
Von der Gründung an bis zum 13.Januar 1919 wurden keine
Protokolle geführt. Es wurden lediglich Statuten aufgestellt. Man kann aber
davon ausgehen, dass die Mitglieder während dieser Zeit spielerisch aktiv
waren, siehe Anzeige.

(Anzeige vom 16.März 1902)
Und das sind die ersten Dilettanten im Jahre 1919:

In der vorderen Reihe die Vereinsgründer, Johannes Lütje (Mitte), 1.
Vorsitzender vom 9.Januar 1899 bis 13. Januar 1919, Georg Buhmann ( 2. von
links), der stellvertretende Vorsitzende und Kassierer sowie Otto Büchner (
2. von rechts), der Regisseur. Er war Vorsitzender vom 13. Januar 1919 bis
17. April 1928.
Spielen für wohltätige Zwecke
Nach der Gründung des Vereins hatte es sich der
"Dilettanten-Verein Eintracht" zur Aufgabe gemacht, nur für wohltätige
Zwecke zu spielen. Den größten Teil der Einnahmen stellte man nach Abzug der
Ausgaben heimkehrenden Soldaten, älteren, bedürftigen Einwohnern,
heimkehrenden Kriegsgefangenen , den durch Feuer geschädigten Fischern in
Karlshafen usw. zur Verfügung. Auch Vereine wurden bedacht.
Jeder Aufführung folgte ein Tanzvergnügen. So hatte man
den Vorteil, gleich zweimal Geld einzunehmen:
-
Eintrittspreis für die Aufführung:
-
Sperrsitz 1,20 Mark
-
2. Platz 0,80 Mark
-
Das Tanzband: Ein Herr zahlte für ein Tanzband 0,50
Mark und für jede unverheiratete Dame, die er zum Tanz aufforderte, die
aber noch kein Tanzband besaß, nochmals 0,50 Mark. Nur verheiratete Damen
waren frei. Während des Tanzes wurden extra Kontrollen durchgeführt.
Alle mussten helfen
Zu diesen Wohltätigkeitsveranstaltungen mussten alle
Mitglieder erscheinen, um zu helfen. Wer dieser Aufforderung mehrmals oder
unentschuldigt nicht nachkam, wurde aus dem Verein ausgeschlossen. Das galt
auch für Übungsabende und Versammlungen.
Jeder Spieler hatte das vom Regisseur ausgesuchte Stück
zu akzeptieren und die ihm zugedachte Rolle anzunehmen, sonst drohte auch
ihm der Ausschluss.
Man sieht also, es herrschten strenge Sitten damals.
Vom 22.April 1922 bis zum 20. November 1925 ruhte der
Spielbetrieb. Schuld daran war die Inflationszeit ( Vergleich: 1 Goldmark =
1 Billion Papiermark als Notgeld, hergestellt in der Druckerei Clausen,
Büsum ).
Die Zeit von 1925 – 1949
In den nun folgenden Jahren fehlten dem Verein wieder
spielende Mitglieder. Buchdrucker Clausen wurde gebeten, diesbezüglich im
lokalen Teil seiner Zeitung für Spieler zu werben. Im Januar 1926 stieg die
Mitgliederzahl auf 36. Als dann im Dezember 1926 der Beschluss gefasst
wurde, auch passive Mitglieder aufzunehmen, stieg die Zahl nochmals um 33.
Mit insgesamt 69 Mitgliedern war das der höchste Stand in der 100-jährigen
Geschichte. Zu dieser Zeit war Büsum nur ein ca. 1200-Seelen-Dorf ( jetzt
ca. 4.600).
Brachte man anfangs hochdeutsche und plattdeutsche
Stücke sowie Singspiele zur Aufführung, waren es danach ausschließlich
plattdeutsche Theaterstücke.
Mühsame Beschaffung der Rollenbücher
Als mühsam erwies sich die Beschaffung der
Rollenbücher. So gab es für den Verein drei Möglichkeiten:
-
Bestellung bei den Autoren direkt
-
Bei den Verlagen, Hermes-Verlag, Theaterverlag
Richter in Hamburg, Cl. Sothmann in Itzehoe
-
der Austausch von Rollenbüchern mit anderen Vereinen
(Wesselburen, Hellschen usw.)
Aus einem Protokoll vom 29.Dezember 1920 geht hervor,
dass jedem Spieler ein "handgeschriebenes" Rollenbuch in gesamter Länge
übergeben wurde.
Für das Abschreiben dieser Bücher war nur ein Mitglied
zuständig, das man "den Boten" nannte, damals Otto Muhl.
Vermutlich durch den Verfall der Währung wurde die
Anschaffung von Rollenbüchern unbezahlbar.
Im Mai 1949 hat dann der Theaterverlag Mahnke in Verden
freundlicherweise eine große Anzahl " Probehefte" zur Einsicht übersandt.
Dieser Verlag ist bis heute unser Lieferant für benötigtes Rollenmaterial
und dürfte es auch in der Zukunft bleiben.
Schwierige Bühnengestaltung
Auch die damalige Bühnengestaltung ist mit der heutigen
nicht mehr zu vergleichen. Gab es damals nur ausgeliehene Gegenstände für
die Bühnengestaltung und
-dekoration ( Möbel, Gardinen usw.), so haben wir heute einen Fundus, auf
den wir zurückgreifen können. Es gab auch keine Kulissen. Es gab lediglich
seitlich der Bühne drei bewegliche Portieren, die – wenn vorhanden – mit
bemalter Leinwand abgedeckt wurden.
Erst im Mai 1964 erfolgte die Beschaffung einer
Stellbühne. Der Zufall wollte es, dass wir davon erfuhren, dass das Kieler
Stadttheater Kulissen abzugeben hatte. Diese wurden dann käuflich erworben
und dank der Initiative von Günter Elsen von Kiel geholt.
Für die Garderobe war jedes Mitglied selbst
verantwortlich. Die Auswahl geschah aber unter Aufsicht und nach Absprache
mit dem Regisseur.
Fleißiges Rollenlernen
Erstaunlich, dass damals innerhalb von ca. 4 bis 5
Wochen ein Dreiakter eingeübt werden konnte. Einen Dreiakter brachte man
sogar schon nach einer Woche auf die Bühne.
Bereits Anfang der Dreißigerjahre machte man sich
Gedanken um die Weiterführung des Vereins. Es erging ein
Versammlungsbeschluss (Protokoll vom 22.Januar 1932), den Verein nicht
einschlafen zu lassen, zumal man auch weiterhin die Gäste von " Kraft durch
Freude" in Büsum unterhalten wollte.
Von Oktober1934 bis Februar 1949 ruhte dann der
Spielbetrieb wegen der Nazizeit und der Kriegswirren.
Die Zeit von 1949 bis heute
50-jähriges Jubiläum
Das 50-jährige Bestehen im Januar 1949 wurde zum Anlass
genommen, nach 15-jähriger Ruhezeit erstmals wieder an die Öffentlichkeit zu
treten. Die im Februar 1949 neu erstellte Liste ergab, dass der Verein über
41 Mitglieder verfügte, darunter waren jedoch nur 12 aktive Spieler. Diese
Spieler haben allerdings hinsichtlich des Theaterspielens sehr viel Ehrgeiz
und dem Verein gegenüber sehr viel Idealismus gezeigt. Man muss sich einmal
vorstellen, dass diese Spieler in der folgenden Zeit bis zu vier
Theaterstücke in einem Jahr eingeübt und gespielt haben.

" Rund um Kap Horn", 1951
Seit 1951 gab es für den Sparclub "Bienenkorb"
regelmäßig jedes Jahr eine Aufführung ( bis 1968). Auch der Reichsbund bat
1951 um ein Theaterstück und seit 1955 gehören diese zum festen Bestand
unseres Laientheaters.1977 wurde erstmals für die Altenfreude gespielt und
seit 1982 regelmäßig. In früheren Jahren wurde auch schon für die
Kurverwaltung gespielt. In den Jahren 1965 und 1966 durften wir dreimal für
die Kurgäste spielen und von 1967 bis 1969 bereits fünfmal jährlich.
Rekordjahr
Die Spielsaison von April 1968 bis April 1969 weist
einen Rekord aus, der bis zum heutigen Tage nicht wiederholt werden konnte:
Es wurden sieben Theaterstücke eingeübt und unterschiedlich elfmal während
dieser Zeit gespielt. Dabei standen nur sechs männliche und sechs weibliche
Darsteller zur Verfügung. Eine beeindruckende Leistung der
LaienschauspielerInnen!
Durststrecke überwunden- mit neuem Elan
und Vorsitzenden voran
Von 1971 bis 1977 hatte der Verein wieder eine
Durststrecke zu überwinden. Der Nachwuchs fehlte ganz einfach. Ab 1977 ging
es dann wieder bergauf. Wilhelm Jansen wurde damals zum 1. Vorsitzenden
gewählt. Er handelte mit der Kurverwaltung einen Vertrag aus und fortan –
von 1978 – war alle vier Wochen eine Aufführung im Terminkalender der
Kurverwaltung vorgesehen.

Wilhelm Jansen
1. Vorsitzender der "Büsumer Speeldeel" vom 9.März 1977 bis zum 26. Januar
1987. 1977 erfolgte auch die Umbenennung in "Büsumer Speeldeel"
Bis 1981 spielten wir im "Haus des Kurgastes" und seit
1982 auf der Bühne des neugebauten " Kurgast-Zentrums", dem heutigen Gäste –
und Veranstaltungszentrum.
Übrigens, das so ausführlich über die Geschichte der
"Büsumer Speeldeel" berichtet werden kann, ist dem Engagement unserer
Kassenwartin Ingrid Hansen zu verdanken, die mit viel Fleiß und Akribie
anhand der zahlreichen Protokolle eine Chronik erstellte, die sie anlässlich
des 100-jährigen Jubiläums präsentierte und an unseren Vorsitzenden Holger
Peters überreichte.
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